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Zurück vom 27c3 – es gab viele interessante Vorträge. Einer davon war die Podiumsdiskussion über Netzneutralität mit scusi, Andreas Bogk (CCC) und Falk Lüke (Bundesverband der Verbraucherzentralen).

Einführung

Dass noch niemand eine gültige Definition von Netzneutralität hat und die im Rahmen einer Gesetzgebung erst noch erarbeitet werden muss, ist allen Beteiligten klar. Trotzdem ist Bogks Position herauszugreifen. Der definiert die Netzneutralität nicht dahingehend, dass jedes Datenpaket immer gleich behandelt werden muss sondern, dass Pakete nicht aufgrund ihres Absenders oder Inhalts unterschiedlich behandelt werden dürfen – sehr wohl aber priorisiert werden dürfen, wenn sie eine “Expressbriefmarke” enthalten.

Aufgrund dieser Briefmarke soll der Sender dem Provider mitteilen können, dass ein vom Sender ausgewähltes Datenpaket priorisiert behandelt werden soll. Damit soll Echtzeitkommunikation im Internet gesichert werden. Heißt, dass Telefonate, Videos und jede andere zeitkritische Kommunikation vom Sender mit einer solchen Briefmarke ausgestattet werden müssen. Diese Briefmarken sollen Geld kosten – sonst könnte man ja jedes Datenpaket mit dieser Briefmarke bekleben.

Zusätzlich soll es eine Internet-Grundsicherung geben. Die Datenpakete im Grundsicherungs-Internet sollen weiterhin wie heute unter dem Best-Effort-Prinzip versendet und empfangen werden.

Diese Vorstellung von Netzneutralität mag ein Kompromiss sein, der zwischen Datenschützern und Unternehmen eine Einigung herbeiführen kann. Immerhin wird nicht der Inhalt jedes Pakets über Deep Paket Inspection untersucht sondern nur überprüft ob eine Briefmarke auf dem Paket klebt. Das freut Datenschützer und Unternehmen – die Daten scheinen geschützt und die Unternehmen können neue Geschäftsfelder erschließen.

Kritik

Einer der offensichtlichen, aber beim Kongress nicht angesprochenen, Kritikpunkte ist die Praxistauglichkeit (für die Masse). Es wird jedem Nutzer die Möglichkeit gegeben, bestimmten Traffic zu priorisieren. Selbst unter der Vorraussetzung, dass alle Menschen verstehen, was diese Expressbriefmarke bewirkt, wie soll das “bekleben” der Pakete mit diesen Briefmarken denn funktionieren?

Im Netzpolitik-Podcast war einer der Vorschläge, dass die Homerouter und Betriebssysteme entsprechende Funktionalität implementieren sollen, die dem Nutzer eine einfache Priorisierung per Mausklick ermöglicht.  Trägt man sich jetzt YouTube im Router ein oder HTTP-Traffic allgemein? Wahrscheinlich YouTube selbst, denn hin und wieder kommt eben auch ein Linux-Download über HTTP rein, der definitiv nicht priosiert werden soll. Daraus folgt aber die Notwendigkeit eine Liste mit zu priorisierenden Diensten im Internet im Router zu führen. Allein die Vielfältigkeit  und Vielzahl von Echtzeitdiensten im Internet macht eine Liste aber unmöglich. Ein Popup im Firefox oder durch Windows vor jeder Verbindung ins Internet a la “Internet-Expressbriefmarke aufkleben? Ja / Nein” ist definitiv auch nicht Praxistauglich.

Alternativ könnte der Absender die Priorisierung für seine Angebote bezahlen – YouTube beispielsweise könnte dafür bezahlen, dass seine Videos mit der Briefmarke beklebt werden.  Damit wäre YouTube wahrscheinlich nie entstanden. Jedes finanziell knappe Startup das auf Echtzeitkommunikation angewiesen ist, würde damit im Keim erstickt. Damit hätte man wieder eine Selektion nach Absender – der Provider schaut zwar nicht in den header, sondern nur auf die Briefmarke, die Selektion findet dann aber anhand von finanziellen Mitteln statt.

An anderer Stelle in der Diskussion ging es um Kapazitätsengpässe und Aufteilung von endlichen Ressourcen. Hierbei wurde der Punkt angeführt, dass Provider keine finanziellen Mittel in den Netzaufbau pumpen, weil sich mit einem qualitativ schlechteren Netz das gleiche Geld verdienen lässt. Richtig erkannt wurde, dass wir uns als Gesellschaft ein qualitativ hochwertiges Netz wünschen.  Fraglich bleibt ob durch eine Trennung von priorisiertem Traffic und Grundsicherung die Provider wirklich mehr in den Netzausbau investieren. Dass mehr Geld in Unternehmen nicht zwangsläufig zu Investitionen führt, ist wohl kein Geheimnis. Viel eher sehe ich, dass solange die Netze die priorisierten Pakete problemlos transportieren auch weiterhin kein Netzausbau passiert und eine Folge dessen eine schlechte Qualität des Grundsicherungs-Internets ist. Irgendwann meutern dann vielleicht die Prio-Kunden, vielleicht ist das dann der Grund für neue Investitionen in den Netzausbau. Diesen Effekt erreicht man aber auch im Internet ohne Trennung – irgendwann meutern die Kunden, wenn die Bandbreite fehlt.

Als Fazit muss man festhalten, dass sich Andreas Bogk keinesfalls auf eine Seite mit den TelCos begeben hat – die wollen nämlich nach wie vor in die Pakete reinschauen und aufgrund von Inhalt, Absender und/oder Empfänger priorisieren. Definitiv der Worst-Case Fall. Ich halte Andreas Vorschlag eher für eine Lösung, die man noch aus der Schublade ziehen kann, wenn sich abzeichnet, dass eine 100%ige Gleichbehandlung der Pakete im Internet (ohne Priorisierung) nicht durchsetzen lässt.

Ganz kurz noch zum mobilen “Internet”: Im mobilen Internet könnte Andreas Vorschlag dann doch sehr wohl eine verbesserung der Situation herbeiführen. Da könnte der Vorschlag als erster Schritt hin zu einem echten Internet auf dem Handy genutzt werden. Auch wenn einige der oben genannten Probleme dort ebenfalls auftreten, wäre das besser als dieses kastrierte Internet was momentan verkauft wird.

  • http://www.linux-magazin.de/NEWS/27C3-Video-Netzneutralitaet-und-QoS-ein-Widerspruch
  • http://www.netzpolitik.org/2010/npp104-andreas-bogk-uber-netzneutralitat-und-netzwerkmanagement/

Digsby

Februar 20th, 2010

Schon vor längerer Zeit bin ich auf den Multimessenger Digsby gestossen… Die Installationsroutine sah damals noch so aus:



Mal ehrlich. Es ist ein Wunder, dass sich nach diesem Crapware-Installationmarathon auf der großen weiten Welt noch jemand gefunden hat, der das Ding wirklich installiert und genutzt hat.

Da ich in letzter Zeit schon über 2 Blogposts gestolpert bin, die das Ding empfohlen haben habe ich Digsby nochmal eine (kleine) Chance gegeben.

Die erste Neuerung springt direkt ins Auge – der Installer erschlägt nicht mehr mit 6 verschiedenen Adware-Installationsangeboten. Stattdessen soll nur noch eine ASK-Toolbar installiert werden.

Naja, ohne ASK-Toolbar wäre es besser. Dass eine Toolbar-Installation abgehakt werden muss, ist man inzwischen von vielen Programmen leider gewohnt.

Am Ende hat man dann noch die Möglichkeit zwei Optionen abzuwählen… und da wird es interessant.

“Allow Digsby to use idle CPU time for grid computing”.  Wer diesen per default aktivierten Haken nich wegmacht, nimmt automatisch an PluraProzessing teil. Quasi ein Seit@Home oder Folding@Home, allerdings natürlich auf komerzieller Basis. Soll heißen, da werden nicht Moleküle gefalten oder Aliens aufgespürt sondern Aktienkurse analysiert oder das Internet gecrawlt:

  • Oil & gas exploration algorithms
  • Financial modeling
  • Bioinformatics
  • Web crawling and Internet analysis
  • Fluid dynamics
  • And many others

Welche Firmen konkret hier Grind Computing betreiben, also Laufzeit bei Plura Processing einkaufen, ist nirgends zu finden. Möglicherweise berechnet ja grade dein Disby-Client eine neue Modedroge? ;)

Nach einem Protest-Post von Lifehacker (siehe Link unten) wurde die Installationroutine geändert und mehr Informationen zu diesem Grind Computing eingebaut.  Trotzdem werde ich mir Disgby nicht auf meinen Rechnern installieren – dafür hat mich die alte Installationsroutine zu sehr abgeschrekt und die neuen Verdienstmethoden sind mir zu zwielichtig. (Auch wenn man sich austragen kann, indem man den Haken wegmacht).

Übrigens arbeitet Plura Processing auch viel mit Flash- und Javaspiele-Entwickler zusammen. Da werden dann, während man im Browser Spiele spielt, im Hintergrund Daten ausgewertet. Durchaus eine interessante Verdienstmethode die wahrscheinlich für Webseiten wie Youtube, die die Nutzer schonmal einige Minuten binden können, interessant ist.

Möge jeder selbst entscheiden, ich bleibe in diesem Fall bei freier Software.

Digsby hat in der Vergangenheit schon zu große Fehler gemacht, um sich jetzt mit etwas weniger offensichtlich bescheidenen Verdienstmethoden aus der Affäre zu ziehen.

Weiterführende Links

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